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"Koala
Lounge"
Wer
die spielerische Melancholie von Fellini-Filmen liebt, die oft
nicht zuletzt durch die schlicht-schöne Musik von Nino Rota zu
voller Blüte kommt, wird schon beim ersten Stück des Tilmann Dehnhard
Quintett-Albums "Koala Lounge" in seiner Fantasie weiße Dampfer
durch Nebelschwaden am Horizont vorbeifahren oder ent- und manchmal
auch ein bisschen ver-rückte Träumer am Strand mit sich selbst
tanzen sehen.
Unwillkürlich lässt man sich mitnehmen und treiben von den wunderbaren
Melodien, die immer leichte Wehmut, selten aber Traurigkeit ausstrahlen.
Eher Vertrautheit, Intimität.
Nichts für Verfechter gegelter Hochglanzästhetik. Wahre Schönheit,
auch die etwas spröde, kommt von innen und hat mit Seele zu tun.
Die musikalische Biografie von Tilmann Dehnhard (Jg. 1968) weist
in recht unterschiedliche Richtungen. In jüngerer Vergangenheit
hat er sich vor allem mit dem Flötenspiel und damit verbundenen
Spiel- und Atemtechniken beschäftigt, was die Solo-CD "Breath"
(Klangräume) beeindruckend dokumentiert.
Er ist mit dem Berlin Contemporary Jazz Orchestra unter Leitung
von Alexander v. Schlippenbach auf dem Album "The Morlocks" (FMP)
zu hören, mit dem Young Improvisor's Pool auf "Backgrounds for
Improvisors" (FMP), mit Jazz Indeed auf den Produktionen "Under
Water" und "Who the moon is" (beide Traumton) und mit dem Nils
Wülker Quintet auf "High Spirit" (Sony Music).
Als Tilmann Dehnhard 1998 für eine Konzertreihe im Bauhaus-Archiv
Berlin sein Quartett, besetzt mit Tenorsaxofon, Trompete, Kontrabass
und Schlagzeug, gründete, suchte er nach einem neuen, eigenen
Sound, nach einer neuen Herausforderung. Er suchte nach dem Klang
der Einfachheit, die alles andere als banal ist. Er suchte nach
der Kraft der Melodie, auch nach dem Mut, auf eben diese zu vertrauen.
Kein Hightech, keine Samples, keine Akkorde just music. Manchmal
musste sich Tilmann Dehnhard selbst von der Richtigkeit seines
Weges überzeugen, freimachen vom Druck des Irrtums, Originalität
als Synonym für Kompliziertheit zu deuten. Er lernte, seiner inneren
Stimme zuzuhören und an sie zu glauben.
Erst als er sein Klangideal gefunden hatte - die Dreistimmigkeit
von Saxofon, Trompete und Bass, getragen von vielschichtigen Grooves
und Sounds des Schlagzeugs - kam die Gitarre als fünftes Instrument
hinzu, ohne der Grundidee im Wege zu stehen oder sie zu verwässern.
Vielmehr macht sich Kai Brückner, Dehnhards "Lieblingsgitarrist",
dessen "Melodie-Konzept" zu eigen und gibt der Gitarre eine gänzlich
andere Bedeutung als in allen Bands, in denen man ihn sonst hört.
Dass trotz all dem zuweilen auch ordentlich die Post abgeht oder
eine Sängerin einen überraschenden Gastauftritt hat, ist wahrlich
kein kleingeistiges Zugeständnis an landläufige (Jazz-) Hörgewohnheiten,
sondern macht dieses Album zu einem bemerkenswerten Unikat der
deutschen Jazzszene.
Ulf
Drechsel (Januar 2003)
Ist
es eigentlich ein Zufall, dass dieses Quintett anlässlich einer
Konzertreihe im Berliner Bauhaus-Archiv gegründet wurde? Niemals,
muß man sagen, wenn man die Debüt-Aufnahme von Tilmann Dehnhard
und seinen Jungs hört.
Eigentlich kennt man Dehnhard als experimentierfreudigen Flötisten,
der schon mal einen ganzen Silberling ausschließlich der Atemtechnik
auf seinem Instrument gewidmet hat. Mit Koala Lounge erweist sich
der 1968 geborene Musiker als gefühlsechter Tenorsaxofonist-und
begnadeter Architekt gemütlich-funktionaler Klangräume. Jeder
der 12 Songs ist ein Austellungsstück.
Die polyphone Verzahnung von Tenor, Trompete (Sven Klammer) und
Kontrabass (Oliver Potratz) schmeichelt dem Ohr und kitzelt gerissen
simpel dem Intellekt, dazu sirrt eine Gitarre (Kai Brückner) und
trippelt demütig ein Schlagzeug (Eric Schaefer).
Kenny Wheeler und Nino Rota lassen wohlwollend grüßen bei dieser
bezaubernd konsumentenfreundlichen Musik. Doch, in dieser Lounge
ist man gerne Gast.
Josef
Engels, jazzthetik
Atemströme:
Tilmann
Dehnhards Flötentöne
Auf
ihren frühen Schallplatten ließ die Rockgruppe "Queen" regelmäßig
den immer wieder variierten Hinweis drucken: "Niemand spielte
Synthesizer" - koketter Verweis auf die frappierende Vokalkunst
der vier Musiker.
Auch
auf dem Cover der CD des jungen Berliner Flötisten Tilmann Dehnhard
findet sich der lapidare wie auftrumpfende Verweis: "No loops,
no effects, no overdubs", was an den Max Reger zugeschriebenen
Witz über einen Fagottisten erinnert, der auf die erstaunte Frage,
ob er alle Töne tatsächlich mit dem Mund erzeuge, bescheiden antwortet
"Ich hoffe doch."
Dehnhard,
der seine Aufnahmen von Improvisationen, die zu notierten Stücken
wurden, die wiederum wie Improvisationen klingen, bescheiden seinen
Lehrern widmet, weiß nicht minder mit Tonerfindungen zu verblüffen
- sie verdanken sich vor allem seiner Atemtechnik.
Das zirzensische Wirbeln ist gleichsam Garnitur wunderbarer Melodien,
die über ganz und gar prosaischen Titeln schweben: "Breath I,
II, III", "Altosolo". Kurios wie virtuos ist Dehnhards mehrstimmiges
Baßflötenspiel mit dem Song "Sign 'o' the Times" des amerikanischen
Popzauberers Prince.
FAZ,
29. September 2000
Nach
dem ersten Festival vor sechs Jahren in Frankfurt war nun abermals
ein Wochenende lang "Flöte total" angesagt: Beim zweiten "European
Flute Festival" der Deutschen Gesellschaft für Flöte e. V. gab
es in der Frankfurter Musikhochschule und in der Alten Oper wieder
ein volles Programm mit Workshops, Vorträgen, Meisterklassen,
einem Wettbewerb für Komposition und Interpretation sowie zahlreichen
Konzerten. ... Am besten gefiel der Soloauftritt des Berliner
Flötisten Tilmann Dehnhard.
Er
spielt fast durchweg zweistimmig, indem er zu den auf der Flöte
geblasenen Tönen noch Intervalle hinzusummt. Dazu geht er unentwegt
auf der Bühne herum und imitiert schnalzend oder zischend auch
noch ein Schlagzeug. Das alles hat er zu großer Virtuosität entwickelt.
FAZ,
23. März 1999
Lonely
Woman von Ornette Coleman in der Solo-Altflöten-Version von und
mit Tilmann Dehnhard. Zärtlich, schwach und ohne Power, so klang
die Flöte im Jazz zu Beginn ganz gewiss. Aber das ist lange her.
Und mit dem jungen Wahl-Berliner Tilmann Dehnhard hat dieses Instrument
nach Michael Heupel einen weiteren herausragenden deutschen Vertreter.
Mit stupender Technik, Zirkularatmung und feinem Sinn für Klangschattierungen
versteht es Dehnhard, Klanagebilde von zauberhafter Intensität
mit seinem Atem zu modellieren.
Lapidar
"Breath" heißt die CD und ein Triptychon darauf, und
das ist der erste Teil daraus. Breath, der erste Teil eines dreiteiligen
Stückes mit dem Flötisten Tilmann Dehnhard. Entstanden sind diese
Aufnahmen übrigens im "Großen Wasserspeicher" in Berlin und
auf dem Label Klangräume erschienen.
Der 1968 in Darmstadt geborene und seit seinem 5. Lebensjahr in
Berlin lebende Flötist und Saxophonist Tilman Dehnhard bringt
das Dilemma aller ,,NurFlötisten" wie folgt auf den Punkt: "Nur
mit Flöte hat man im Jazz eigentlich nicht viel zu melden. Du
kannst in keiner Bigband spielen und den besten Anrufbeantworter
der Welt haben, es ruft niemand an, weil er einen Flötisten braucht.
Den Job gibt es einfach nicht - das sieht mit Saxophon schon erheblich
anders aus."
Hubert
Böhm, hr2 Crossover: Jazzpects. 11.11.2000
Die lange Nacht von Berlin: Bilder, Feuer, Partys, Taucher. Zehntausende
waren bei milden Temperaturen unterwegs, um bis nach Mitternacht
Museen und das Aquarium zu besuchen oder über die Straßen von
Mitte zu flanieren.
Im Bauhaus-Archiv sorgte das Tilmann-Dehnhard-Quartett gemeinsam
mit der Autorengruppe "Büro für gute Worte" für relaxte Jazz-Happening-Atmosphäre.
BERLINER
ZEITUNG
...Tilmann
Dehnhard...: findiger Composer-Performer, der einen Ermunterungskurs
für improvisationsscheue Festivalgäste abhielt. Ihnen riet er,
es doch einfach mal zu versuchen. Falschmachen - wie beim Noten(ab)spielen
- könne man beim Stegreifspiel doch eigentlich gar nichts. Die
beliebte Begründung "Bei mir kommt ja doch nichts Gescheites heraus"
sei nicht stichhaltig, sie bemäntele nur das fehlende bißchen
Mut. Schließlich sei Improvisation keine Hexerei, sondern ein
mehr oder minder freizügiges Jonglieren mit Floskeln -"so wie
ein Koch den meisten Gerichten Tomaten beimischt." Daß es beim
Improvisieren freilich darum geht, einen Erzählstrang aufzubauen
nach dem Muster "Eating, eating a ham, eating a hammock..." (unübersetzbares
Wortspiel: essend, einen Schinken essend, eine Hängematte essend),
führte er in seinem "Interflutactic Souloconcert"zur Nachtzeit
vor. Zum Festival-Auftakt hatte Dehnhard übrigens mit seiner minimalistischen
Klangcollage"Ripples" das versammelte Flötenvolk zum dreistöckigen
Chorus geschichtet.
Nicht nur Flötentöne
Lutz
Lesle
Was
heißt hier Flötentöne? Tilmann Dehnhard hat viel mehr als seine
Quer-, Alt-, Bass-, und Obertonflöten. Er hat auch seinen Atem.
Er hat seine Stimme. Und die Finger, die beim Trillern auf den
Instrumenten auch schon mal die Percussion ersetzen. Und manchmal
alles gleichzeitig.
Der 1968 in Darmstadt geborene Flötist spielt Jazz und anderes.
Das Andere ist auf der CD "Breath" zu hören, die beim Rendsburger
Label KlangRäume erschienen ist. Es sind mal stille, monotone,
auch orgelhafte Stücke wie das Werk "Moisture" aus dem Zyklus
"Sweet Water", mal verspielt-eigenwillige Interpretationen wie
die des Prince-Hits "Sign o'the times".
Der titelgebende Dreiteiler "Breath" ist, wie die meisten anderen
Werke auch, weniger zum Nebenherhören geeignet. Am besten setzt
man sich mit dem Kopfhörer auf die Couch, dann stören die experimentellen
Klänge die Mitbewohner nicht. "Breath" ist entstanden aus Improvisationen,
die Dehnhard in den vergangenen Jahren ausgearbeitet hat.
Die Stücke lösen Assoziationen von fliehenden Vögeln, von japsendem
Atmen oder von dem Sauerstoff aus, den das Blut durch den Körper
transportiert.
Dehnhard spielt auch nicht nur solo, bei "Sweet Water" etwa lotet
er zusammen mit Bettina Junge und Stefan Weydert Abgründe aus:
Frage-Antwort-Spiele, gegenseitiges Unterbrechen, was bis zum
schrillen Stimmenchaos geht. Die Platte ist in einem Wasserspeicher
in Berlin aufgenommen worden - die Akustik gleicht der einer Kirche.
Alles live gespielt, keine technischen Effekte. Trotzdem mehr
als nur Flötentöne.
Bert
Strebe, Hannoversche Allgemeine, 10. 2. 2001
Improvisation is spontaneous Composition Composition is frozen
Improvisation
Die Flöte im Jazz - Kurs mit Tilmann Dehnhard 2.bis 4. November
2001 - LMA Berlin
Neunzehn
FlötistInnen unterschiedlichsten Alters und keineswegs alles Flötenlehrer
trafen sich in der Berliner Landesmusikakademie, um sich bei Tilmann
Dehnhard im Jazzflöte spielen unterweisen zu lassen.
Was ist Jazz überhaupt? - stand als erste Frage im Raum. Wir trugen
zusammen, was uns einfiel. Das war 'ne ganze Menge an Begriffen,
die ich teilweise als roten Faden nutzen möchte, um Euch einen
kleinen Einblick in unser gewonnenes Wissen und als Anregung zu
geben, sich vielleicht selbst mit dem Thema auseinander zu setzen.
Ein knapper, wahrer Satz beschreibt den Unterschied zwischen E-
und U-Musik (obwohl ich denke, dass der gar nicht so groß ist,
man vergleiche Swing-Achtel mit integraler Artikulation): Der
Klassiker überlegt, wie er den Ton spielt, der Jazzer, welchen
Ton. Man erkennt als geübter Hörer sofort den Interpreten an seinem
ureigenen Sound. Es gibt nicht viele Jazz-Flötisten. Die wir zu
hören bekamen, hatten tatsächlich jeder einen anderen Flötenton,
wobei manche "Klänge" für Klassikerohren ziemlich gewöhnungsbedürftig
waren.
Was Klassiker und Jazzer verbindet, es sei denn sie haben's "voll
im Blut" ist die Kenntnis der Theorie. Sich nach Jahren der "Abstinenz"
wieder in harmonische, intervallische und Tonleiterüberlegungen
und -denkungen hinein zu begeben, tat gut -weil ja doch vieles
noch im Kopf ist - war aber auch ordentlich anstrengend. Alle
"Schüler" konnten ziemlich gut folgen. Gab es doch mal ein langes
Gesicht eines "Abgehängten", konnte Tilmann ihn wieder gut mit
ins Boot holen. Harmonie & Melodie sind auf alle Fälle das A und
0. Die Skalen (wie dorisch, mixolydisch oder ganz kompliziert
aber machbar, die alterierte Skala) müssen zu "den Eigenen" werden.
Das heißt, sie sind systematisch auszuquetschen, bis sie ohne
weiteres abrufbar sind. Wir haben uns den oben aufgeführten Skalen
auf die unterschiedlichste Weise genähert: Die Töne der alterierten
Skala zu einer sich ständig wiederholenden "Dominante-Nach-Tonika"
singender Weise aufgelöst. Und dabei die verschiedensten Spannungen
der einzelnen Töne gespürt. Oder nur die Töne einer Skala zum
Grundton gesungen bzw. gespielt.
Die Harmonien - auf alle Fälle immer mit Septen oder Nonen würzen
- am besten am Klavier ausmelken, wobei man nicht umhinkommt,
sich mit den "abertausenden" Akkordsymbolen auseinander zu setzen.
Quintessenz: alle Strickmuster müssen erlernt werden, dann kannst
du deine eigenen Kreationen ausprobieren.
Um den Groove (die Rille in Vinyl) zu spüren und in der Time zu
bleiben, probierten wir einen Teil der auch gut alleine durchführbaren,
systematischen Übungen. Alle stampften abwechselnd rechts und
links auf die Zählzeit 1 und 3 eines Vierer-Taktes, während sich
der Körper dabei in Achteln auf- und ab-bewegte. Läuft das wirklich
gleichmäßig - bei 19 Leuten ist das nicht einfach - wird dazu
geklatscht. Erst alle möglichen Viertel, später alle Achtel (bis
dahin sind wir gekommen), anschließend noch alle sich bietenden
Kombinationen. Klatschen und Stampfen ganz genau zur gleichen
Zeit, ist schon alleine die Übung wert, denn: Die Jazzer steigen
in den Bus und der fährt sofort im richtigen Tempo los.
Nebenbei - und eigentlich immer - sollte man sich alles, was geht,
an Jazzmusik "reinziehen". Sogenanntes "gesättigtes Hören" betreiben:
alle Jazz-Standards, die auch im Realbook zu finden sind, möglichst
von verschiedenen Interpreten anhören. Das ist höchst interessant,
weil sich so das Grundgerüst des Standards herauskristallisiert.
Gewisse Melodienfragmente erwartet man ganz einfach, spätestens
nach der dritten Aufnahme - das haben wir selbst feststellen können.
Transkriptionen selbst anzufertigen hilft, die Vernetzung der
kleinen, mühsam erarbeiteten und trainierten Theoriebausteine
zu begreifen.
Learn it (siehe oben) and than forget it und schreite zur Improvisation.
Man nehme sich einen Standard, einen Pianisten (wenn der nicht
verfügbar, ein Play along), eine kleine rhythmische Idee und spiele
los.
Wir hatten das Glück, dass sich Niki Thärichen - Tilmanns Duo-Partner
- am Sonntag zwei Stunden Zeit nahm, mit einigen Mutigen (für
meine Begriffe super gut) gemeinsam zu jazzen. Sich wirklich zu
trauen, ist wahrscheinlich das größte Hindernis.
In der kurzen Zeit vermittelte Tilmann ziemlich kompakt, mit sehr
anschaulichen Bildern, analytisch und systematisch das Basiswissen
vom Jazz. Das Spielen (Literaturhinweise und Motivation gab es
jedenfalls genug) muss nun jeder selber lernen.
Grit
Leiteritz, Flöte aktuell 1.2002
QUERFLÖTEN - IMPROVISATIONS - WORKSHOP und KONZERT mit TILMANN
DEHNHARD
am 14. März 2002 am Labenwolf Gymnasium Nürnberg
Improvisieren?
Das kann ich doch nie! In den Tonarten bin ich nicht sonderlich
fit - und mit Kreativität und Phantasie...?! Ich vermute, so wird
es vielen von uns gegangen sein - und wir wurden alle POSITIV
ÜBERRASCHT!
Bei
diesem wirklich einmaligen Workshop ging´s mal ganz und gar nicht
um exakte, reine und technisch saubere Töne, sondern - zumindest
anfangs - erst einmal um das Trauen.
Unsere Gedanken auf der Flöte auszudrücken, ohne weitere Anhaltspunkte,
Takt etc. - und dazu noch mit einem Partner - war für jeden vermutlich
zuerst mal nicht ganz einfach, aber wer´s dann mal probiert hatte,
dem hat man die abfallende Anspannung und den beginnenden Spaß
an der Sache deutlich angesehen.
Als nächstes stand der "GROOVE" auf dem Programm: Was ist "GROOVE"
eigentlich? - wörtlich: die Rille auf der Schallplatte, hier aber
im Sinne von "es muss grooven". Zu siebt haben wir ganz gleichmäßige
Viertel gehalten, drei andere von uns - mit Unterstützung von
Tilmann - haben mit Achteln, Triolen, Vierteln und anderen Verzierungsmöglichkeiten
im Takt dazu improvisiert - wieder völlig frei und ohne Tonart
oder ähnliches; es ist ein richtig schwingender Klangteppich mit
rhythmischer Einheit entstanden!
Weiter ging es mit der ersten Vorbereitung für das Abschlusskonzert
am Abend: aufgeteilt in drei Phasen (alle durften nur denselben
Ton spielen, alle haben nur vier ausgewählte Töne zur Verfügung,
danach diese ausgewählten auch oktaviert...) hat die Gruppe immer
einen Klanghintergrund geschaffen. Zu jeder Phase hat dann ein
Solokünstler die Aufgabe bekommen, etwas frei aus dem Bauch heraus
zu improvisieren.
Beim Konzert haben wir dies noch in eine Art "Tonspiel" vorher
und nachher eingebaut, wobei wir auch unsere neu gelernten Geräuschmöglichkeiten
auf er Flöte einsetzen durften: pusten, klappern, flattern, säuseln,
ploppen... und den allerhöchsten Ton, den wir können!
Die "Sekundenstücke" haben zwar im Publikum für etwas Verwunderung
gesorgt - wie oft sieht man schon Musiker, die nur für etwa 20
Sekunden hervortreten, um zu neunt nacheinander und miteinander
jeder eine ganz kurze spontane Idee irgendwann ( in diesen 20
Sekunden!) zu spielen, um dann wieder die andere Gruppe vortreten
zu lassen...?? - aber alle waren fasziniert.
Zur Krönung unseres (eigenen ) Auftritts haben die drei Mutigsten
noch allein, unvorbereitet und so gut wie unabgesprochen ein Solostück
dargeboten: ein absolut einmaliges Stück (im zweifachen Sinne!),
denn sie wollten nicht einmal eine Generalprobe machen: "Das wird
heute Abend sowieso wieder anders!"
Aber das Highlight war das Konzert von Tilmann Dehnhard selbst.
Eine Dreiviertel Stunde lang improvisierte und überraschte er
mit ungewohnten Tönen und Flöten (eine norwegische Flöte mit nur
zwei Öffnungen: einem Mundloch und einem Loch am Ende der Flöte
- aber trotzdem mit allen erdenklichen Tönen!), mit verblüffenden
Geräuschen und der von ihm perfekt beherrschten Zirkularatmung.
Der absolute "Renner" war das Stück, in dem er zusammen mit einem
nervigen Wecker, der piepsend auf dem Notenständer stand, spielte.
Fazit: ein wirklich einmaliger Nachmittag, bei dem sicher alle
eine Menge über das "freie" Spielen/Improvisieren und die Techniken
dazu gelernt und obendrein viel Spaß gehabt haben - und die Selbstzweifel
waren schließlich auch fort!
Über seine Geräuschtechniken hat Tilmann gesagt: wenn jemand die
Zeit, die ich hierfür verwendet habe, in die Technik für den absolut
perfekten Ton steckt, dann kommt sicherlich etwas anderes dabei
heraus, aber mir macht das hier wahnsinnig Spaß! Und davon hat
er uns wahrlich einen guten Einblick verschafft und den Spaß daran
nähergebracht! DANKE!
Julia
Wurm, Klasse 11a, Flöte aktuell 2/2002
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