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Singen
+ spielen gleichzeitig: Im vorhergehenden Artikel habe ich die Grundlagen
dieser Technik vorgestellt und möchte diesmal in fortgeschrittenere
Bereiche vordringen.
Die Flöte läßt sich nämlich mit etwas Geschick und arrangement-technischer
Bastelei zum Harmonieinstrument erweitern.
Ich habe als Beispiel den alten Jazzstandard "My Favourite Things"
ausgewählt, weil er sich aus verschiedenen Gründen für diese Art von
Arrangement besonders gut eignet:
Erstens ist die Melodie leicht zu singen, zweitens ist ihr Tonumfang
nicht zu gross und drittens paßt die Quinte der Tonika (in e-moll
also h) zu fast allen Akkorden des Stücks und bietet sich damit als
"Achse" für die Begleitungsintervalle an.
Die Aufteilung
zwischen Flöte und Gesang ist ganz klar gewählt: Die Flöte spielt
die Begleitung und die Melodie wird dazu gesungen.
Um den Eindruck von Harmonien zu erzeugen, spiele ich auf der Flöte
Achtel, wodurch immer zwei Töne latent vorhanden sind. Durch etwas
stärkeres Aufschlagen der Klappen kommt noch der rhythmische Aspekt
dazu.
Wie man sehen kann, habe ich nicht immer die Grundtöne der Akkorde
als untersten Ton der Begleitung gewählt.
Erstens haben sich bestimmte Basslinien aus stimmführungstechnischen
Gründen einfach angeboten, und zweitens klingt es besser, wenn die
Basstöne auf der Flöte nicht zu hoch rutschen.
Ein bischen Bastelei war also angesagt.
Außerdem habe ich die einzelnen Formteile um jeweils drei Takte verlängert.
Das gibt der Form eine gewisse Luftigkeit und Offenheit.
Auf den
ersten Blick sieht dieses Arrangement aus wie ein recht atemloses
Unterfangen: Schließlich hat man in der Unterstimme nie Zeit zu atmen.
Wer zirkulieren kann, der zirkuliere, die Oberstimme läßt dafür ab
und zu Platz, ansonsten kann man ruhig den Atemstrom unterbrechen
und an den in der Melodie freigelassenen Stellen atmen.
Wenn die Hände die Unterstimme im Rhythmus "weiterklappern" (damit
der Baßton gut hörbar bleibt), fallen die Zwischenatmer garnicht auf
und der Groove bleibt erhalten.
Sollten Töne der Unterstimme ab und zu in ihre Obertöne umspringen,
macht das nichts, solange diese Töne zu den Harmonien passen. Beispielsweise
Oktaven sind ab und zu ganz reizvoll.
In Takt
29 und Takt 40 passiert etwas rhythmisch recht Vertracktes: In der
Unterstimme sind 6/8 bzw. 3/4, in der Oberstimme sind punktierte Viertel,
also "Zweier". Zwei gegen Drei.
Wenn es gelingt, die Oberstimme wirklich als "Zweier" gegen
die Unterstimme zu spielen, ist der Effekt großartig.
So schwer es am Anfang ist: Es lohnt sich, das mal in Ruhe zu üben.
In meinen
Konzerten spiele ich nach dem Thema oft eine Improvisation im "Großraum
e-moll", indem ich singend über die ersten beiden Takte
der Begleitung improvisiere. Nach Belieben wechsele ich ich dann in
den E-Dur-Part des Stücks (erfrischendes Dur...).
Nachdem ich dann den Rest des Arrangements gespielt habe, gehe ich
gleich in ein Fade-Out, ohne aber die Time aufzugeben.
Oft ist das für mich der spannendste Teil des Stücks, in
dem ich nochmal mit den Kadenzen des Themas arbeiten und mich ganz
auf Melodien und harmonische Abfolgen konzentrieren kann.
So weit
so gut, viel Spaß mit diesem Stück und nicht verzagen,
es lohnt sich: Wenn's klappt (bzw. klappert...), klingt's gut.
Wer
das Stück spielen möchte, maile mir bitte hier
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