Im
folgenden Artikel werden weitere perkussive Spielweisen vorgestellt
und Anregungen für Improvisationen gegeben.
Dabei geht es hauptsächlich darum, Grooves, also interessante Rhythmen
zu basteln, die als Grundlage für Improvisationen oder als Begleitung
für andere Mitspieler dienen können.
Doch
zuerst noch ein paar Spieltechniken:
Slapfinger
Anstatt einen Slapsound per Zunge zu erzeugen (siehe Teil I), kann
man auch einen Finger nehmen: Mit links ein G greifen, mit dem rechten
Zeigefinger auf das Mundloch schlagen (slappen).
Die Tonauswahl ist begrenzt auf die Griffmöglichkeiten der linken
Hand.
Folgendes Notenbeispiel zeigt, wie man Klappengeräusche der linken
Hand mit dem Slapfinger der rechten Hand zu einer Art Tango verbinden
kann. Bei den Klappenschlägen muss das Mundloch wieder offen sein,
deshalb muss der Slapfinger rechtzeitig gehoben werden. Das geslappte
G erzeugt ein kleines Ab, das geklickte G ein Ab1.


Mischen
impossible?
Ganz im Gegenteil: Einige der im letzten Heft vorgestellten Effekte
können gut miteinander kombiniert werden.
Es können reizvolle Abfolgen entstehen, beispielsweise durch das Mischen
von Resonanz- und Artikulationseffekten: Der Ton wird zuerst geklickt
und dann perkussiv angeblasen.
Oft will man eine Klappe zum Klicken verwenden, die bereits geschlossen
ist. Um diese Klappenschläge rechtzeitig ausführen zu können, muss
der schlagende Finger rechtzeitig vor der Ausführung angehoben werden.
Das stellt anfangs ein Koordinationsproblem dar, deshalb: Langsam
anfangen.


Anderer
Rhythmus durch doppelte Artikulation:


Klappenperkussion
und Flötenton simultan.
Dieser Effekt ist bekannt aus Edgar Varèses "Density 21.5": Beginnen
Sie einen normal gespielten Ton mit einem deutlich hörbaren Klappenschlag.
(Alte Flötenhäsinnen und -hasen wissen: Die Ansprache tiefer Töne
kann durch unauffälliges simultanes Klappenschlagen verbessert werden.
Das Rohr wird durch den Schlag in Eigenschwingung versetzt und spricht
schneller an.)
Ring
am Finger
Durch einen Ring auf einem Finger kann man laute und hell klickende
Sounds erzeugen.
Diese Technik ist sehr effektiv, wenn auch mit Vorsicht anzuwenden.
Eine Flöte hält schon Einiges aus, aber bei Metall auf Metall kann
man schnell das Gestänge oder das Rohr beschädigen. Am besten eignen
sich dünne, relativ breite Ringe, die man ungefähr auf das zweite
Fingerglied setzt. Dadurch ist normales Spiel weiterhin möglich. Mit
leicht ausgestrecktem Finger kann entweder das Ringklicken zum Normalton
(oder Normalklick) dazugenommen, oder auch allein eingesetzt werden.
Kommen
wir nun zur Improvisation:
Die folgenden Übungen sollen es ermöglichen, mit Rhythmen zu spielen
und dabei zu grooven. Das Wort Groove steht für Rille, wie bei der
Schallplatte, oder für die Spur, wie auf der Autobahn. Wichtig ist
also nicht nur, welches Material in welcher Reihenfolge gespielt wird,
sondern auch dass es im Rhythmus ist, und zwar so gut, dass es, nun
ja: Groovt. (Siehe auch www.dehnhard.com/frame08.htm, Artikel:Time
is not only a magazine)
Spielen
mit festgelegtem Rhythmusfragment:
1. Die
Eins
Man nehme sich ein ganz leichtes repetitives Motiv (im Beispiel der
Ton D), spiele es auf der Zählzeit Eins und improvisiere in der freibleibenden
Zeit.


Das sieht
erst mal kinderleicht aus, selbstverständlich kann man sich elaboriertere
Begleitungsfragmente ausdenken.
Aber lassen Sie doch mal das Metronom auf 2 und 4 mitlaufen, und laufen
Sie die 1 und die 3 mit den Füßen, dann reicht so eine Eins schon
völlig aus. Es ist ratsam, das Spielmaterial einfach zu halten und
auch Pausen zu lassen.
2. Zwei
und Vier betonen
Suchen Sie sich ein bestimmtes Klappen- Schnalz- oder Sonstwiegeräusch
dafür aus, beispielsweise ein tiefes C als Klappenschlag:


Oder
ein kurzes Zischgeräusch auf C2:


Zwei
und Vier betonen geht auch, ohne sich auf einen bestimmten Klang festzulegen.
Einfach 2 und 4 fett machen, schon hat die improvisierte Linie einen
klaren rhythmischen Rahmen.
3. Nur
die Vier betonen
Die
Betonung liegt jetzt am Ende der gespielten Phrase und fühlt sich
dadurch ganz anders an. Das repetierte Motiv fungiert als Antwort
auf das vorher Gespielte.


Slap
als Basedrum, Luft als Snaire
Im folgenden Beispiel (aus "Sign o' the time", CD "Breath", Klangräume
Musikproduktion) habe ich eine Kombination aus Slaptongue, Jetwhistle
und verrauschtem Gegen-das-Mundloch-blasen benutzt, um einen Rockgroove
zu erzeugen.


Je größer
die Flöte, um so beeindruckender wirken viele Klänge, die auf Rohrresonanzen
beruhen. Darum eignen sich die tiefen Flöten für perkussive Spieltechniken
besonders gut. Durch Benutzung eines Mikrofons (auch durch Mikrofonierung
des Flötenrohres) können auch ganz leise Effekte hörbar gemacht werden.
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