WANNA LEARN SOME?

GROOVE IT!
Perkussive Effekte auf der Böhmflöte Teil II

Im folgenden Artikel werden weitere perkussive Spielweisen vorgestellt und Anregungen für Improvisationen gegeben.
Dabei geht es hauptsächlich darum, Grooves, also interessante Rhythmen zu basteln, die als Grundlage für Improvisationen oder als Begleitung für andere Mitspieler dienen können.

Doch zuerst noch ein paar Spieltechniken:

Slapfinger
Anstatt einen Slapsound per Zunge zu erzeugen (siehe Teil I), kann man auch einen Finger nehmen: Mit links ein G greifen, mit dem rechten Zeigefinger auf das Mundloch schlagen (slappen).
Die Tonauswahl ist begrenzt auf die Griffmöglichkeiten der linken Hand.
Folgendes Notenbeispiel zeigt, wie man Klappengeräusche der linken Hand mit dem Slapfinger der rechten Hand zu einer Art Tango verbinden kann. Bei den Klappenschlägen muss das Mundloch wieder offen sein, deshalb muss der Slapfinger rechtzeitig gehoben werden. Das geslappte G erzeugt ein kleines Ab, das geklickte G ein Ab1.

Mischen impossible?
Ganz im Gegenteil: Einige der im letzten Heft vorgestellten Effekte können gut miteinander kombiniert werden.
Es können reizvolle Abfolgen entstehen, beispielsweise durch das Mischen von Resonanz- und Artikulationseffekten: Der Ton wird zuerst geklickt und dann perkussiv angeblasen.
Oft will man eine Klappe zum Klicken verwenden, die bereits geschlossen ist. Um diese Klappenschläge rechtzeitig ausführen zu können, muss der schlagende Finger rechtzeitig vor der Ausführung angehoben werden. Das stellt anfangs ein Koordinationsproblem dar, deshalb: Langsam anfangen.

Anderer Rhythmus durch doppelte Artikulation:

Klappenperkussion und Flötenton simultan.
Dieser Effekt ist bekannt aus Edgar Varèses "Density 21.5": Beginnen Sie einen normal gespielten Ton mit einem deutlich hörbaren Klappenschlag. (Alte Flötenhäsinnen und -hasen wissen: Die Ansprache tiefer Töne kann durch unauffälliges simultanes Klappenschlagen verbessert werden. Das Rohr wird durch den Schlag in Eigenschwingung versetzt und spricht schneller an.)

Ring am Finger
Durch einen Ring auf einem Finger kann man laute und hell klickende Sounds erzeugen.
Diese Technik ist sehr effektiv, wenn auch mit Vorsicht anzuwenden. Eine Flöte hält schon Einiges aus, aber bei Metall auf Metall kann man schnell das Gestänge oder das Rohr beschädigen. Am besten eignen sich dünne, relativ breite Ringe, die man ungefähr auf das zweite Fingerglied setzt. Dadurch ist normales Spiel weiterhin möglich. Mit leicht ausgestrecktem Finger kann entweder das Ringklicken zum Normalton (oder Normalklick) dazugenommen, oder auch allein eingesetzt werden.

 

Kommen wir nun zur Improvisation:
Die folgenden Übungen sollen es ermöglichen, mit Rhythmen zu spielen und dabei zu grooven. Das Wort Groove steht für Rille, wie bei der Schallplatte, oder für die Spur, wie auf der Autobahn. Wichtig ist also nicht nur, welches Material in welcher Reihenfolge gespielt wird, sondern auch dass es im Rhythmus ist, und zwar so gut, dass es, nun ja: Groovt. (Siehe auch www.dehnhard.com/frame08.htm, Artikel:Time is not only a magazine)

Spielen mit festgelegtem Rhythmusfragment:

1. Die Eins
Man nehme sich ein ganz leichtes repetitives Motiv (im Beispiel der Ton D), spiele es auf der Zählzeit Eins und improvisiere in der freibleibenden Zeit.

Das sieht erst mal kinderleicht aus, selbstverständlich kann man sich elaboriertere Begleitungsfragmente ausdenken.
Aber lassen Sie doch mal das Metronom auf 2 und 4 mitlaufen, und laufen Sie die 1 und die 3 mit den Füßen, dann reicht so eine Eins schon völlig aus. Es ist ratsam, das Spielmaterial einfach zu halten und auch Pausen zu lassen.

2. Zwei und Vier betonen
Suchen Sie sich ein bestimmtes Klappen- Schnalz- oder Sonstwiegeräusch dafür aus, beispielsweise ein tiefes C als Klappenschlag:

Oder ein kurzes Zischgeräusch auf C2:

Zwei und Vier betonen geht auch, ohne sich auf einen bestimmten Klang festzulegen. Einfach 2 und 4 fett machen, schon hat die improvisierte Linie einen klaren rhythmischen Rahmen.

3. Nur die Vier betonen
Die Betonung liegt jetzt am Ende der gespielten Phrase und fühlt sich dadurch ganz anders an. Das repetierte Motiv fungiert als Antwort auf das vorher Gespielte.

Slap als Basedrum, Luft als Snaire
Im folgenden Beispiel (aus "Sign o' the time", CD "Breath", Klangräume Musikproduktion) habe ich eine Kombination aus Slaptongue, Jetwhistle und verrauschtem Gegen-das-Mundloch-blasen benutzt, um einen Rockgroove zu erzeugen.

Je größer die Flöte, um so beeindruckender wirken viele Klänge, die auf Rohrresonanzen beruhen. Darum eignen sich die tiefen Flöten für perkussive Spieltechniken besonders gut. Durch Benutzung eines Mikrofons (auch durch Mikrofonierung des Flötenrohres) können auch ganz leise Effekte hörbar gemacht werden.

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