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Klicks,
Flops und Plops:Perkussive Effekte auf der Böhmflöte
Die Flöte
ist ein Melodieinstrument und das ist gut so. Trotzdem lassen sich
mit ihr auch perkussive Klänge produzieren. Man kann zwei Erzeugungsarten
unterscheiden:
1. "Normale"
Spielweise: Die Flöte wird auf mehr oder weniger herkömmliche Weise
mit Atem, Mund und korrespondierenden Klappenbewegungen gespielt.
2. Als Idiophon (Selbstklinger): Das Flötenrohr selbst, und nicht
die Luftsäule darin, wird durch Betätigung der Klappen zum Klingen
gebracht.
Artikulation
als perkussiver Effekt:
Normalerweise
dient Artikulation dazu, einem Ton einen Anfang zu geben. Für perkussive
Klänge konzentriert man sich auf ein möglichst kräftiges, lautes Artikulationssignal
und lässt den Ton danach einfach weg. Das geht am Besten, indem man
die Luft anhält und nur mit dem Mundraum den nötigen Druck generiert
(Zwischenatmen nicht vergessen).
Folgende Konsonanten eignen sich dafür:
T:
Ein kräftiges stimmloses T ist auch schon ein perkussives Signal.
Experimentieren Sie mit der Öffnung des Lippenspalts und der Luftmenge,
die auf das Mundloch trifft.
Je größer/unfokussierter der Lippenspalt, umso höher wird der Geräuschanteil.
Ein besonders trockenes und klares Signal entsteht, wenn man die Zungenspitze
zwischen den Lippen platziert und dann in der Art eines Stakkato-Ts
die Zunge zurückzieht.
P:
Rollen
Sie ihre leicht breitgezogenen Lippen nach innen, als wollten Sie
sich ein Grinsen verkneifen, und machen Sie ein stimmlos ploppendes
"P". Dieses Geräusch lässt sich auch mit angelegter Flöte machen und
erzeugt so ein trockenes P mit Tonhöhe. Der Mund darf sich dabei öffnen
und der Unterkiefer mitsamt Flöte abwärts bewegen.
P-K-T-K:
Schnelle Stakkatofolgen lassen sich durch die Kombination von verschiedenen
Konsonanten erzeugen. Der Bonner Flötist Michael Heupel ist ein Meister
solcher Artikulationsabfolgen. Der Konsonant K entsteht weiter hinten
im Mundraum, deshalb wird das Flötenrohr weniger oder gar nicht zum
Schwingen gebracht. Er klingt trocken und kurz und ist daher gut als
Füllsel zwischen stärker klingenden Tönen zu verwenden.
Suchen Sie improvisierend nach Konsonantenketten, die Ihnen gefallen.
Folgend zwei Beispiele:
Dreierkombination:
p-k-t-p-k-t

Viererkombination:
p-k-t-k-p-k-t-k


Andere
Mundgeräusche: Viele Varianten von Knack-, Zisch- und Schnalzlauten
können ebenfalls dazu verwendet werden, perkussive Sounds zu erzeugen.
Wenn die Flöte dabei wie zum Spielen angelegt ist, wird das Flötenrohr
zu Resonanz angeregt und schwingt mit. Durch Veränderungen des Ansatzes
und des Mundinnenraums lassen sich ganz unterschiedliche Klänge produzieren.
Probieren Sie verschiedene Silben aus: tsö, tsü, tschö, tschü, fe,
fü, etc.
Der Tonumfang
für artikulierte perkussive Klänge ist limitiert, da man diese Klänge
nicht überblasen kann. Um den Tonumfang über die untere Oktave hinaus
zu erweitern, kann die obere c-Klappe geöffnet werden. Sie fungiert
dann als eine Art Oktavklappe (wie man das bei den Tönen d2 und d#2
auch normalerweise tut).

Hörbeispiel
"T" 
Hörbeispiel "P" 
Hörbeispiel
Zunge zw. d. Lippen
Slap-tongue:
Der spieltechnisch
ungewöhnlichste Perkussionseffekt, der auf der Böhmflöte möglich ist,
ist das "Slap-Tongue". "Slap" heißt soviel wie klatschen, schlagen.
Die Zunge wird bei komplett abgedichtetem Mundloch auf das Mundloch
"geslappt". Es entsteht ein tiefes Ploppen. Hier ist eine genauere
Anleitung in zwei Schritten:
Schritt
eins:
Greifen Sie ein tiefes h (für C-Füssler: Tiefes C) und drehen Sie
die Flöte so weit ein, als wollten Sie das Mundloch küssen. Umschließen
Sie das gesamte Mundloch luftdicht mit den Lippen und lassen Sie probehalber
Luft durch die Flöte streichen. Wenn Sie ruckartig viel Luft auf einmal
ausstoßen, müsste eine Art hohles Pfeifen zu hören sein. Dieses Geräusch
verändert sich je nach Luftmenge, Form des Mundinnenraums und Anblaswinkel
der in die Flöte geblasenen Luft. Dieser Effekt wird auch "Jet-whistle"
genannt. Experimentieren Sie, indem Sie:
1.die Luftmenge von ganz wenig bis zu herzhaftem Zwerchfellstoß variieren.
2. verschiedene Vokale ausprobieren.
3. die Flöte drehen und dadurch den Anblaswinkel verändern.
Schritt
zwei:
Dichten
Sie das Mundloch ab wie in Schritt eins beschrieben, aber anstatt
Luft durch das Mundloch zu schicken, lassen Sie ihre Zunge so gegen
das Mundloch schlagen, dass dieses durch die Zunge komplett verschlossen
wird. Dadurch sollte ein leises Ploppen entstehen. Es kann erheblich
verstärkt werden, indem man die Luft wie in Schritt eins beschrieben
dazunimmt. Die Zunge sollte, vom Luftstrom unterstützt, mit möglichst
viel Kraft auf das Mundloch treffen. Diese Technik wird im Englischen
auch manchmal "Tongue-ram" genannt.
Die so erzeugten Töne sind in etwa eine große Septime tiefer als der
jeweilige Griff. Je kürzer die Rohrlänge, umso höher intoniert der
Slap-Ton. (Ungefähr von g1 aufwärts ist die Septime bereits klein,
auf den höheren Griffen wird das Intervall noch kleiner). Slap-tongue
kann auf allen Griffen der ersten Oktave gespielt werden, also vom
tiefen h (oder c) bis zum c#2. Nimmt man die Trillerklappen für d
und d# zur Hilfe, so können noch zwei weitere Töne erzeugt werden.
Eine Art "zweite Oktave" entsteht, wenn man die Griffe von h bis a1
verwendet und dabei die c-Klappe öffnet (wie bei den regulären Griffen
für d2 und d#2). Im folgenden Notenbeispiel habe ich die ganzen Griffe
einmal aufgelistet:


Die Flöte
als Idiophon:
Machen
wir aus der Flöte ein Idiophon, einen Selbstklinger. Das Flötenrohr
selbst wird zum Klingen gebracht und nicht wie sonst, die Luftsäule
darin. Greifen Sie stumm ein tiefes C, öffnen Sie die F-Klappe und
schließen Sie sie wieder, und zwar mit Schmackes, soll heißen: Mit
genug Energie, damit man es hört (aber übertreiben Sie es nicht, im
Interesse der Mechanik).
Mit an die Lippen gelegter Flöte erklingt ein c1.
Halten Sie die Flöte dabei frei in der Luft, ohne das Mundloch zu
bedecken, dann wird der Ton der entsteht in etwa einen Halbton höher
sein, also C#1.
Verschließen Sie nun durch Eindrehen der Flöte das Mundloch komplett,
so entsteht ein c# eine große Septime tiefer als das c1 (ähnlich wie
bei Slap-tongue).
Da man
ein Idiophon nicht überblasen kann, ist der Tonumfang relativ klein.
Durch die als eine Art Oktavklappe fungierende C-Klappe kann der Umfang
aber etwas erweitert werden. Im folgenden Beispiel ist nur der Bereich
aufgelistet, der halbwegs stimmt. Deshalb endet das Notenbeispiel
bei f#2. Die Klappen-Click-Anweisungen sind nur Vorschläge, es eignen
sich oft auch andere Klappen dazu.


Natürlich
gibt es noch mehr zu "erklickende" Sounds:
1. Schließt man nur einige Klappen der rechten Hand und lässt die
linke Hand offen, dann resoniert nur der untere Teil des Flötenrohrs.
Es entstehen hohe Klicks. Beispiel: Flöte ansetzen, linke Hand alle
Klappen offen, rechte Hand wie tiefes C# greifen. Klicken Sie das
F: ein e2 erklingt).
2. Wenn man mit dem Mund das Anblasloch umschließt (siehe Slap-tongue,
Schritt eins) und den Mundraum als weiteren Resonanzraum benutzt,
können hohle, ziemlich tiefe Klänge erzeugt werden. Experimentieren
Sie mit verschiedenen Vokalen.
3. Einige Multiphonics resonieren auch "geklickt".
Im bald
folgenden Artikel möchte ich Anregungen geben, wie perkussive Elemente
in Improvisationen benutzt werden können. Bis dahin wünsche ich viel
Spaß und Entdeckergeist beim Klicken, Ploppen, Slappen und was alles
sonst noch so möglich ist.
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